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2. September 2011

Urlaub in Bayern mit Fahrrad und Bahn

Diesen Sommer hatte ich mir vorgenommen, Bayern mit dem Fahrrad zu erkunden. In den vergangen Jahren hatte ich wegen vieler Reisen und Termine auch an den Wochenenden zu wenig Zeit gehabt meine bayerische Heimat wirklich kennenzulernen. So bin ich u.a. auf dem Isartalradweg und Inntalradweg unterwegs gewesen - wirklich wunderbare Touren.

Urlaub in Bayern 2011_Thomas mit Rad vor den Bergen

Die Gegend um die Isarurprung beispielsweise ist eine der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe - mit dem wilden Fluss und den mehr als zweitausend Meter hochragenden Gipfel des Karwendels im Hinterautal (siehe Bild). Aber auch die Fahrt von Passau am Inn entlang durch das Naturreservat der Isarauen ist ein großartiges Erlebnis.

Bei meinen Fahrten habe ich den Hin- oder Rückweg fast ausschließlich mit dem Zug und als Fahrradfahrer viele Kilometer auf dem Land und in den Städten auf öffentlichen Wegen und Straßen zurückgelegt. Über einige Erfahrungen will ich hier berichten.

Zunächst zu den Fahrten mit der Bahn und insbesondere dem Fahrradtransport in den Zügen:

Leider hat sich gezeigt: Die Deutsche Bahn ist auf den Fahrradtourismus nicht gut eingestellt. Das gilt besonders für die Züge des Donau-Isar Express. Die Konstruktion der Züge des Donau-Isar-Express muss als der gezielte Versuch der Deutschen Bahn gewertet werden, den Radtransport zu unterbinden. Es gibt einen viel zu engen Durchgang zum Abteil, der in der Regel wegen der dort angebrachten Klappsitze, die regelmäßig wegen der guten Auslastung der Züge besetzt sind, mit dem Rad nicht zu schaffen ist. Im eigentlichen Abteil dann auch qualvolle Enge, ein Wenden des Rades wegen der auf den Klappsitzen sitzenden Passagiere nicht möglich.

Urlaub in Bayern_Einstieg ins Fahrradabteil

Schließlich das Thema Einstieg: Über mehrere steile Stufen ins Abteil schaffen es nur geübte, sportliche Menschen (siehe Bild). Bei einer Fahrradgruppe von mehr als fünf Personen ist die Verspätung vorprogrammiert. Bis mehr als fünf Räder über so einen Einstieg verstaut oder entladen sind, vergehen in der Regel mehr als fünf Minuten. Auch für ältere Menschen, Gehbehinderten oder für den Kinderwagen ist dieser Einstieg ein schier unüberwindliches Hindernis. Und es ist kein Treppenwitz sondern bittere Realität: In Deutschland gibt es noch immer keine einheitliche Bahnsteighöhe! Wieviel Schweiß, Tränen und vor allem auch Geld könnten gespart werden, wenn Deutschland sich auf eine einheitliche Bahnsteighöhe einigen könnte. Das muss wohl erst europäisch gelöst werden.

So erfreulich die auch am Sonntag gute Auslastung der Züge ist – so wenig erfreulich ist es, wenn Unpünktlichkeit und schlechte Information die Urlaubsreise dann doch beeinträchtigen. Ansagen auf den Bahnhöfen und in den Zügen waren oft nicht zielführend, fehlten teilweise gänzlich oder kamen zu spät. Vor allem ist die fehlende, fehlerhafte und unvollständige Information keine Kostenfrage – sondern ausschließlich eine Frage der Kundenorientierung. Da scheint das Management der Bahn noch nicht im Dienstleistungszeitalter angekommen zu sein. Das gilt leider nicht nur für die Züge des Donau-Isar Express. Aber es sind auch ärgerliche Kleinigkeiten: So ist der Aufzug zum Bahnsteig in Landshut schlicht zu kurz: Das Fahrrad passt nur diagonal  in den Fahrstuhl – da kann außer dem Fahrradlenker kein zweites Fahrrad oder eine weitere Person befördert werden. Das ist einfach nicht praxisgerecht.

Die Bahn muss endlich für Verbesserungen beim Transport von Fahrrädern sorgen! Ich werde mich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Deutsche Bahn nicht die Entfaltung des regionalen Fahrradtourismus in Bayern blockiert. Und es bleibt festzuhalten: Das Entdecken von wunderschönen Landschaften und Städten auf meinen Touren entlang der Isar und des Inns war die Widrigkeiten und mühsamen Erfahrungen beim Fahrradtransport mit der Bahn allemal wert.

Beschilderung des Isarradweges in ÖsterreichZum Fahrradfahren auf öffentlichen Wegen: Es ist immer wieder deutlich zu erfahren, dass für den Fahrradverkehr eine klare Zuständigkeit für die Fahrradverbindungen nicht gegeben ist. Teilweise ist das Fahrrad nur geduldet – so auf den Wegen des Wasserwirtschaftsamtes. Wenn das Wasserwirtschaftsamt die Notwendigkeit des Wegeunterhaltes nicht mehr sieht, wird der Weg schlicht nicht mehr unterhalten. Soll doch der Fahrradfahrer sich selber Alternativen suchen. So auf der häufig genutzten Isarradweg zwischen Moosburg und Landshut. Oder die Beschilderung fehlt oder ist irreführend – die vorbildliche und durchgängige Beschilderung des Isarradweges auf österreichischen Boden ist leider nicht überall anzutreffen (siehe Bild).

Zwischen Vorderriß und Fall B307Oder es gibt Strecken, die keinen Radweg aufweisen – weil eben kein Amt wirklich zuständig ist wie auf dem landschaftlich so schönen Abschnitt des Isartalradweges zwischen Vorderriß und Fall. Da muss der Fahrradfahrer auf die vielbefahrene Bundesstraße 307 – unzumutbar vor allem für Familien mit Kindern (siehe Bild). In den Städten ist der Radfahrer oft wirklich nur in den autofreien Zonen der Innenstadt gut aufgehoben – gerade in den kleinen Städten ist das Fahrrad ein attraktives, weil schnelles, ökologisches und kostengünstiges Verkehrsmittel. Aber es fehlt eben an vielem: Fahrradstraßen, einer klaren Beschilderung und auch an Kleinigkeiten wie vernünftig abgesenkten Bordsteinkanten bei der Auffahrt zu kombinierten Geh- und Fahrradwegen. Auch hier gilt: Eine klare, kommunale Zuständigkeit muss verankert werden und klare Budgets ausgewiesen werden für Investitionen in Neubau und Erhalt - wie es für den Straßenbau seit Jahren eine Selbstverständlichkeit ist.

 

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