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Zu den Berichten über eine mögliche Kaltreserve eines Atomkraftwerkes in Süddeutschland erklären Dr. Thomas Gambke, MdB, Eike Hallitzky, MdL sowie Rosi Steinberger und Josef Rosner, Bezirksvorsitzende der niederbayerischen Grünen:
Die Forderung der Bundesnetzagentur nach einer Kaltreserve eines Atomkraftwerkes in Süddeutschland ist rückwärtsgewandt und entbehrt jeder faktischen Grundlage. In einem offenen Brief an den E.on Vorstand und den Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer fordern die niederbayerischen Abgeordneten im Bundestag, Dr. Thomas Gambke und im Bayerischen Landtag, Eike Hallitzky, keinesfalls Isar 1 als Kaltreserve vorzusehen. Sie weisen in Ihrem Schreiben darauf hin, dass sowohl der E.on Vorstand als auch die Bayerische Staatsregierung ohne Wenn und Aber das endgültige Abschalten von Isar 1 bestätigt hatten. "Angesichts ungenutzter Kapazitäten wäre ein Wiederanfahren des Schrottreaktors Isar 1 ein Schlag ins Gesicht für die gesamte ostbayerische Bevölkerung. "Wir fordern Sie auf und bitten Sie, durch eine klare Stellungnahme dazu beizutragen, eine bereits hochgradig verunsicherte Bevölkerung wieder zu beruhigen", fordern die Abgeordneten und der Bezirksvorstand.
Auch mehrere Monate nach dem Abschalten der sieben ältesten Atomkraftwerke, kann die Bundesnetzagentur keine Zahlen vorlegen, welche Kapazitäten tatsächlich in Deutschland existieren. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat es über Jahre sträflich versäumt, den in Deutschland zur Verfügung stehenden Bestand vernünftig zu erfassen. Bevor hierzu keine Zahlen vorliegen, ist es müßig über ein Atomkraftwerk in der Kaltreserve zu sprechen. Wir fordern die Bundesregierung auf, erst einmal umfassende Zahlen auf den Tisch zu legen.
Die Übertragungsnetzbetreiber äußern Befürchtungen, dass es im Winter 2011/2012 in Süddeutschland zu Versorgungsengpässen kommen könne, wenn die Gesamtlast in Deutschland über 80 Gigawatt steige. De facto wurde diese Last in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren aber nicht an einem einzigen Tag erreicht. Im Jahr 2010 wurde nur in drei Spitzenstunden eine Last von 78 Gigawatt überschritten. Selbst wenn es zu einem momentanen Stromengpass käme, sind unflexible Atom- und Kohlekraftwerke technisch nicht geeignet, kurzfristig einzuspringen.
Statt unnütz viel Geld für ein AKW in Kaltreserve zu investieren, könnte es sinnvoll für Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und den Ausbau von Speichern verwendet werden. Zudem stehen Alternativen zu einer AKW-Kaltreserve bereit: Derzeit bleiben etwa 300 Megawatt an hocheffizienten Blockheizkraftwerken ungenutzt, da das zum Betrieb verwendete Pflanzenöl zu teuer ist, um die Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Hier könnten Voraussetzungen geschaffen werden, diese Kapazitäten schnell zu reaktivieren.
Die Grünen haben bei ihrer grundsätzlichen Zustimmung zur Atomgesetznovelle immer betont, dass diese nachgebessert werden muss. Zu den Forderungen gehörte auch, kein AKW als Kaltreserve einzusetzen.
Offener Brief an Horst Seehofer "Isar 1 muss abgeschaltet bleiben"