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Der international anerkannte Energieexperte Hans-Josef Fell, MdB sprach am Freitagabend im Bernlochner im Rahmen einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
"Schon 2030 können wir in Deutschland unseren Energiebedarf zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen decken". Das war die zentrale Aussage im Vortrag des international anerkannten Energieexperten Hans-Josef Fell bei seinem Vortrag am Freitagabend vor rund 50 interessierten Teilnehmern der Veranstaltung "Atomkraft, ich bin doch nicht blöd" der Grünen Bundestagsfraktion im Bernlochner. Fell belegte diese Aussage mit einer Fülle von Daten und Detailinformationen.

v.l.: Hedwig Borgmann, Vorsitzende der Landshuter Grünen, Dr. Thomas Keyßner, 2. Oberbürgermeister der Stadt Landshut, Hans-Josef Fell, Energiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Dr. Thomas Gambke, MdB
Dabei setzte er sich ausführlich mit dem Energiegutachten der Firma EWI-Prognos auseinander, das als Grundlage für das kürzlich vorgestellte Energiekonzept der Bundesregierung dient. Dieses Gutachten enthalte erschreckende Zahlen: Der Zubau der erneuerbaren Stromerzeugung bei den Windkraftanlagen auf dem Land werde mit einem Rückgang von 65% prognostiziert, bei der Photovoltaik betrage der Rückgang 75% und bei der Biomasse sogar 85%. Das beweise, dass die Bundesregierung die dezentrale Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen praktisch abwürgen wolle. Atom und Kohle würden auf Jahre als Hauptstromerzeugungsquellen festgeschrieben. "Die Konzerne wollen schlicht ihre Pfründe sichern und dazu die dezentrale Energieerzeugung der vielen Energiewirte und Stadtwerke, die in Windkraft, Solarenergie, Biomasse, in Geothermie und andere Erneuerbare Energien investieren wollten, stoppen."
Sorgfältig setzte sich Fell auch mit der Kostensituation auseinander. Ja, es sei natürlich richtig, dass die Förderung der Photovoltaik viel Geld erfordere. Die Gesamtfördersumme belaufe sich auf immerhin 4,6 Mrd. Euro. Aber was immer verschwiegen werde: die mit diesem Geld geförderten Anlagen würde den Import von Primärenergieträgern wie Öl und Gas im Wert von 6,4 Mrd. Euro vermeiden! "Denn der Wind oder die Sonne, die gibt es umsonst!" so Fell.
Zu Beginn der Veranstaltung hatte Dr. Thomas Keyßner die Situation der Stadtwerke Landshut dargestellt. Auch Landshut habe eine Energiekonzept, dass zwar erst für 2037 – nämlich genau 30 Jahre nach dem Beschluss von 2007 – die komplette Versorgung von Landshut mit erneuerbaren Energien vorsehe. Allerdings sei man hier vollkommen in der falschen Richtung unterwegs. Der Anteil an Stromeigenherstellung der Stadtwerke sei in den letzten fünf Jahren um mehr als einem Drittel zurückgegangen. Dabei bräuchte Landshut eine jährlich Steigerung der Stromeigenproduktion von 8% um eine vollständige Stromeigenproduktion in 30 Jahren zu erreichen. "OB Rampf hat das Ziel des von ihm mit unterzeichneten Energiekonzeptes vollkommen aus den Augen verloren", so Keyßner. Dabei gehe es auch anders, wie das Beispiel München und viele andere Städte bewiesen, die mit klaren Konzepten eine Energieversorgung ohne Atom und Kohle anstreben. Die zahlreichen Fragen nach den Vorträgen zeigte, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich mit dem Thema intensiv beschäftigen.